Es gibt so Tage in Telfs
In der Gemeinde Telfs leben Menschen aus 86 Nationen mit über 50 verschiedenen Erstsprachen. Diese Vielfalt prägt unseren Ort, bleibt im öffentlichen Raum jedoch oft unsichtbar. Mit unserem Projekt wollten wir das ändern und zeigen, wie bunt und vielfältig unsere Gemeinschaft ist. Denn Sprache ist weit mehr als ein Mittel zur Verständigung: Sie ist Ausdruck von Identität, Erfahrung und Zugehörigkeit. Eine lebendige Demokratie braucht viele unterschiedliche Perspektiven – und Menschen, die ihre Gedanken und Erfahrungen miteinander teilen können.
Den Auftakt bildeten mehrere Lesungen des Kinderbuchs „Es gibt so Tage“ von Heinz Janisch für Schulklassen in der Bücherei & Spielothek Telfs. Inspiriert von der Geschichte entstanden erste Sätze, die alle mit denselben Worten begannen: „Es gibt so Tage in Telfs …“
Aus dieser Idee entwickelte sich eine gemeindeweite Mitmachaktion. Kinder, Jugendliche, Erwachsene und Senior*innen waren eingeladen, ihren ganz persönlichen Satz einzusenden. Ob in Schulen, im Seniorenheim, bei Vereinen oder im Alltag – alle konnten ihre Gedanken darüber teilen, was Telfs für sie ausmacht.
Über 250 Einsendungen erreichten uns aus Schulen, von Vereinen und von Menschen aus nah und fern. Eine Jury, der unter anderem unser Bürgermeister und die Kulturreferentin angehörten, wählte daraus sechs besonders aussagekräftige Sätze aus. Diese wurden auf Postkarten gedruckt, anschließend war die Bevölkerung gefragt: Die Telferinnen und Telfer konnten ihren persönlichen Favoriten auswählen.
Der Siegersatz stand schließlich fest: „Es gibt so Tage in Telfs, da ist die Gemeinschaft stark wie der Munde-Fels.“ Ein wunderschöner Bezug zu unserem Hausberg, der Hohen Munde, und zugleich eine Botschaft, die das Miteinander in unserer Gemeinde auf den Punkt bringt.
Damit dieser Satz möglichst viele Menschen erreicht, sollte er in die Erstsprachen der Telfer Bevölkerung übersetzt werden. Was zunächst einfach klang, stellte sich als echte Herausforderung heraus: Wie lässt sich die Aussage präzise in all die unterschiedlichen Sprachen übertragen? Unser Kollege Lukas Falch von der Abteilung für Gemeinwesen und Integration der Marktgemeinde Telfs war von Anfang an ein unentbehrlicher Partner. Er programmierte eine eigene Web-App, über die sowohl die Projektbeschreibung als auch erste KI-Übersetzungen zugänglich waren. Gleichzeitig riefen wir Muttersprachler*innen dazu auf, die Übersetzungen zu überprüfen und gegebenenfalls zu korrigieren. Ihre Rückmeldungen flossen direkt in die weitere Bearbeitung ein. Anschließend setzte unsere Büchereimitarbeiterin Maria Waldhart die mehrsprachigen Sätze grafisch um – eine echte Herausforderung angesichts der vielen unterschiedlichen Schriftzeichen und Schriftsysteme.
Im Oktober wurde die sprachliche Vielfalt von Telfs schließlich auch im Ortsbild sichtbar. Im Rahmen der Demokratie- und Diversity-Tage wurden die Fahnen mit dem Siegersatz in den verschiedenen Erstsprachen im Ortszentrum aufgehängt. Seither machen sie sichtbar, wie viele Sprachen und Geschichten in unserer Gemeinde zu Hause sind. Sie laden dazu ein, stehen zu bleiben, genauer hinzusehen, ins Gespräch zu kommen und vielleicht auch eine Sprache zu entdecken, die man bisher nicht kannte.
Was mit Lesungen in der Bücherei begann, ist zu einem gemeinsamen Projekt geworden, an dem sich viele Menschen beteiligt haben. Die Fahnen stehen nicht nur für sprachliche Vielfalt, sondern auch für Zusammenhalt, gegenseitigen Respekt und gelebte Demokratie. Sie erinnern uns daran, dass Gemeinschaft nicht bedeutet, alle gleich zu sein. Sie wird dort stark, wo unterschiedliche Menschen einander begegnen, einander zuhören und sich als Teil eines gemeinsamen Ganzen verstehen.
Dieses Projekt wird vom Büchereiverband Österreichs mit Mitteln des Bundesministeriums für Wohnen, Kunst, Kultur, Medien und Sport (BMWKMS) finanziert.